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Freitag 31. of Dezember 2010
Kategorie: Geselligkeit, Vorträge, Exkursionen, Ausstellungen
Jahresprogramm des Beirats 2010

Das Jahresprogramm des Beirats der Freunde der Plassenburg enthält nicht nur eigene Veranstaltungen, sondern auch Vorab-Hinweise für Veranstaltungen auf der Plassenburg, die in den Kontext der Arbeit des Vereins passen und auf...

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Die Plassenburg als Gefängnis


Die Plassenburg kann auf eine Jahrhunderte lange Geschichte als Gefängnis zurückblicken. Im 15. und 16. Jahrhundert diente sie den Markgrafen teilweise als Familiengefängnis. Im 17. und 18. Jahrhundert - Markgraf Christian hatte Residenz und Regierung im Dreissigjährigen Krieg von Kulmbach nach Bayreuth verlegt - diente die Plassenburg neben ihrer Eigenschaft als Landesfestung verstärkt als zivile Strafanstalt und Untersuchungsgefängnis. Nach dem Übergang des vormals hohenzollerischen Fürstentums Brandenburg-Kulmbach an das junge Königreich Bayern im Jahr 1810, wurde hielt eine Zwangsarbeitanstalt ihren Einzug in die Mauern der Plassenburg.

Dieser Nutzung der Plassenburg als Gefängnis und besonders den Jahrzehnten als Zwangsarbeitshaus und Zuchthaus in Bayerischer Zeit (1817-1928) widmete der Verein Freunde der Plassenburg in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen im Sommer 2002 eine Ausstellung. In der Kassenhalle präsentierten zwei große Schautafeln einen geschichtlichen Abriss über die Nutzung der Plassenburg als Gefängnis und informierten über die Raumnutzung innerhalb der Burggebäude während der Zuchthauszeit. In zwei Pultvitrinen wurden verschiedene Originaldokumente zur Geschichte des Strafvollzuges im Allgemeinen und der Plassenburg als Gefängnis im Besonderen ausgestellt. Darunter ein Original der Bambergischen Halsgerichtsordnung aus dem Jahr 1580 (Leihgabe Stadtarchiv Kulmbach) und ein Album mit um 1925 entstandenen Fotos aus dem Zuchthaus Plassenburg (Leihgabe des Landschaftsmuseums Obermain). Reproduktionen aus dieser wichtigen Quelle, die durch Abbildungen aus den Archiven der Justizvollzugsanstalten Straubing, Bayreuth und Ebrach ergänzt wurden, dienten als Illustration für die Schautafeln.




Fesseln und Handschellen aus dem Fundus der Justizvollzugsanstalt Ebrach und dem Landschaftsmuseum Obermain in Kulmbach.


Eine Schrankvitrine präsentierte verschiedene von den Gefangenen der Plassenburg illegal hergestellte Habseligkeiten, die sich im Bestand des ehemaligen Kulmbacher Luitpoldmuseum als „Pfuscharbeiten“ überliefert haben, den sogenannten „Seilpostwagen“ der Anstalt (Leihgaben des Landschaftsmuseums Obermain), sowie einige Handschellen und Fesseln (Leihgaben der JVA Ebrach). In einer Fensternische hinter einem originalen Gefängnisgitter von der Plassenburg war noch eine Schaufensterpuppe mit Zwangsjacke (Leihgabe JVA Ebrach) zu sehen. Der Kulmbacher Philatelist Herbert Löffler bereicherte die Ausstellung durch zwei Ausstellungstafeln mit Postalia und anderen Zeitdokumenten aus dem Zuchthaus Plassenburg.
Ein zweiter Ausstellungsabschnitt befand sich in den Arkadengängen des Südflügels der Hochburg, wo noch zwei Arrestzellen aus der Zuchthauszeit erhalten geblieben sind. Hier informierte eine Reihe von Schautafeln unter den Titeln Hausordnung und Tagesablauf, Sicherheit und Bewachung, Verhaltensvorschriften und Strafen, Aufruhr und Fluchtversuche, Kleidung und Verpflegung, Arbeit hinter Gittern und Gottesdienst und Unterricht über das Leben im Zuchthaus Plassenburg.




Fußfesseln mit “Bombe” - die mehrere Kilogramm schwere Bombe besteht aus einem von Kupferblech umschlossenen Bleikern und wurde von dem Gefangenen nicht - wie land- läufig vermutet wird - hinter sich hergeschleift, sondern von diesem in den Händen getragen. Leihgabe aus der JVA Ebrach.


Anlässlich der Ausstellungseröffnung am Internationalen Museumstag war im Erdgeschoss des Arsenalbaues auch eine aus den Werkstätten des Zwangsarbeitshaus Plassenburg stammende Zwirnmaschine aufgebaut worden. Teile dieser interessanten Konstruktion werden heute im Museums „Hohenzollern in Franken“ auf der Plassenburg präsentiert. Als Begleitprogramm wurden Lesungen aus dem Roman „Die Gefangenen der Plassenburg“ von Jakob Wassermann sowie ein Schülerquizz angeboten.




Die hier gezeigte Zwirnmaschine stammt nach Auskunft des Verwaltungsberichts der Stadt Kulmbach 1910/11 aus der „Correktionsanstalt“ Plassenburg. Sie entstand in der Zeit vor 1850 und ist fast vollständig aus Holz gefertigt. Die Zwirnmaschine von der Plassenburg ist nach Meinung von Fachleuten einzigartig und befindet sich heute im Besitz des Landschaftsmuseums Obermain. Teile davon sind im “Museum Hohenzollern in Franken” auf der Plassenburg zu sehen.


Zwischenzeitlich wurde die Ausstellung auch in der Hauptstelle der Sparkasse Kulmbach gezeigt. Interessenten wie Schulen und Vereine können uns gerne zwecks einer Leihe ansprechen.




Ausstellungskonzeption und Texte: Harald Stark; Layout und Produktion der Tafeln: André Escalup; Leihgeber: Stadtarchiv Kulmbach, Landschaftsmuseum Obermain (Kulmbach), Staatsbibliothek Bamberg, JVA Straubing, JVA Bayreuth, JVA Ebrach